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Bürohäuser als „Green Buildings“ nun auch in Wien

Power Tower, LinzDas Schlagwort Nachhaltigkeit wird zunehmend auch bei Bürohausentwicklern ein Thema. Gemeint ist damit nachhaltiges Planen, Bauen und Bewirtschaften von Bürogebäuden, um eine günstige Ökobilanz oder günstige Lebenszykluskosten der Büroobjekte zu erzielen. Eine gute Zertifizierung als „Green Building“ lässt sich für Marketingzwecke verwenden und ist somit auch für die Verwertung des Objektes ein Vorteil. Durch ein grünes Image hebt man sich gegenüber Konkurrenten ab.

Bewertungskriterien
Die Vorgaben für eine Bewertung der Objekte werden von verschiedenen Institutionen erarbeitet und definiert. In Österreich sind zum Beispiel die ÖGNI, die Österreichische Gesellschaft für nachhaltige Immobilienwirtschaft sowie die ÖGNB, die Österreichische Gesellschaft für nachhaltiges Bauen aktiv. Europaweit gibt es Zertifizierungen nach dem Green Building Award der EU, in den USA den LEED Standard. Diese Institutionen vergeben Zertifikate für eingereichte Objekte, die je nach Erreichung der Zielkriterien in Gold, Silber oder Bronze verliehen werden.

Die Zielereichung wird zum Beispiel anhand folgender Kriterien geprüft:
-Energieeffizienz
-Nachhaltigkeit hinsichtlich des Energiekonzeptes
-Thermische Behaglichkeit für den Nutzer
-Fassadenoptimierung
-Thermische Nutzung der Gebäudespeichermasse
-Verwendete Materialien

Beispiele zertifizierter Gebäude
Wie werden nun die Nachhaltigkeitskriterien in die Praxis umgesetzt?

Bei der Bürostadt TownTown in Wien erfolgt zum Beispiel die Gebäudeheizung und –kühlung über die Betondecken kombiniert mit einer unterstützenden Lüftung und öffenbaren Fenstern sowie einer thermisch verbesserten Fassade. Im Sommer wird die Fernwärme zur Erzeugung von Kälte genutzt.

Beim Büroobjekt Rivergate in Wien setzt die Gebäudeökologie auf die Nutzung von Geothermie und Erdwärme zur Unterstützung der Heiz- und Kühlsystemes sowie ein intelligentes Lüftungs- und Beschattungssystem. Man erwartet sich damit eine Minimierung des Primärenergiebedarfes um bis zu 35%.

Der Power Tower in Linz, in dem 620 MitarbeiterInnen arbeiten, soll gegenüber einem konventionellen Bürohochhaus pro Jahr rund 30 Prozent Energie und 1.528 Tonnen CO2-Emissionen sparen. Erreicht werden sollen die Enegieeinsparungen mit einer kombinierten Wärmepumpenanlage für Heizung, Kühlung und Lüftung. Im Sommer wird beim Kühlbetrieb anfallende Wärme wieder in das Erdreich zurückgepumpt und kann dann im Winter zum Heizen genutzt werden. An der Isolierfassade wurde an der Südwestseite eine ca. 650 m² große Photovoltaikanlage angebracht, die rund 42.000 Kwh Strom pro Jahr für das Gebäude liefern soll.

Baumaterialien
Kritiker der Green Building Zertifikate bemängeln, dass oft durch die Verwendung von trendigen Materialien wie zum Beispiel Glas (hoher Kühlbedarf), Alu (hoher Energiebedarf bei der Herstellung) oder modischer Architektur (Fenster reichen bis zum Boden) die Energieeinsparungen bei Betrachtung des Gesamtenergieaufwandes innerhalb eines Lebenszyklus wieder zunichte gemacht werden. Bauforschungsgruppen in Österreich beschäftigen sich bereits mit der Verwendung von Holz für Bürogebäude, da in Holz viel CO2 gebunden ist. In Bregenz in Vorarlberg wird zum Beispiel die Errichtung eines 20-stöckigen Hochauses geprüft, bei dessen Bau ein wesentlicher Anteil an Holz verwendet werden soll.

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